Baukasten-Webseiten - sinnvoll oder nicht?

Stellen Sie sich vor, Sie gehen zu einem Schreiner und dieser bietet Ihnen an, für Sie einen Tisch auf Basis eines IKEA-Produkts zu erstellen.
In diesem Artikel erfahren Sie, warum ich von Baukasten-Systemen à la Wordpress meistens abrate und welche Gemeinsamkeiten sonst noch zum Tisch vom Schreiner bestehen.
Baukasten-Webseiten - sinnvoll oder nicht?

Was ist Wordpress? - Webseiten ohne Programmierkenntnisse

Wordpress ist ein Content-Management-System (kurz: CMS), welches es ermöglicht, nahezu ohne Kenntnisse der Webprogrammierung, Webseiten zu erstellen und vor allem zu verwalten. Man könnte sagen, WordPress ist die Do-It-Yourself-Lösung für Webseiten.

Wordpress ist derart verbreitet (Marktanteil 65%), dass nicht wenige glauben, Webseiten MÜSSEN mit Wordpress gebaut sein, bzw. es sei DAS Programm für Webseiten.

Der Erfolg von Wordpress erklärt sich damit, dass Wordpress zu Beginn eine spezialisierte Blog-Software war. Viele private Nutzer/innen wollten schlicht einen Blog betreiben und haben auf die dafür bestens geeignete Lösung gesetzt. Wo es viele Nutzer/innen gibt, lohnt es sich für Entwickler Lösungen zu erstellen. So hat der Erfolg von Wordpress seinen Lauf genommen.

Wenn über die Hälfte aller Webseiten auf Wordpress basieren, dann muss es doch gut sein?

Gegenfrage: Ist etwas das beste, weil es am meisten verwendet wird?

Sind IKEA-Möbel die besten, weil sie in den meisten Haushalte stehen? Sind die meistgefahrenen Autos die besten Autos?

Es sei an dieser Stelle betont: Es geht hier nicht darum, Produkte schlecht zu schreiben, es soll lediglich aufgeklärt werden, unter welchen Aspekten welches Produkt das beste ist.

IKEA-Möbel sind genial, wenn das Budget beschränkt ist und man keine individuelle Lösung braucht. Ist man bereit, etwas mehr zu investieren und man ist auf der Suche nach einem ganz speziellen Tisch oder Schrank, dann geht man zum Schreiner.

Fakt ist: Wenn Sie eine Wordpress-Seite haben, dann sind Sie auch an das System Wordpress gebunden. Ihnen stehen dann eine Fülle an Angeboten zur Verfügung in Form von Templates und Plugins (Erweiterungen). Das ist wie bei IKEA, wo Sie sich aus den Regalen bedienen können.

Für eigene, individuelle Lösungen braucht es dann eben doch den Spezialisten. Ohne Programmier-Kenntnisse müssen Sie nehmen, was Ihnen angeboten wird und sind somit vom Angebot abhängig.

Möbel bauen

Webseiten sind wie Möbel, es gibt Lösungen aus dem Regal und es gibt die Einzelanfertigung. Beides hat seine Daseinsberechtigung.

Die hybride Variante: Was ein Programmierer aus Wordpress herausholen kann.

Was Ihnen viele Webseiten-Anbieter (manche nennen sich explizit Wordpress-Agenturen) anbieten: Sie nutzen Wordpress, das Template (die Design-Vorlage der Webseite) wird jedoch für Sie speziell entwickelt. Zudem können da und dort Modifikationen programmiert werden, so dass Sie aus dem Produkt Wordpress noch mehr herausholen können.


Sofern Webseiten-Anbieter Ihnen einen guten Preis machen, da auch sie durch die Verwendung von Wordpress viel Aufwand einsparen, ist das eine akzeptable Möglichkeit.

Ich selbst setze nicht auf diese Variante, da ich alleine in der Verwendung von Wordpress (und auch andere Baukasten-Systeme) für die meisten Webseiten-Betreiber diverse Probleme festgestellt habe...

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Was Ihnen WordPress-Agenturen nicht (gerne) verraten

Bevor Sie in Erwägung ziehen, auf Wordpress zu setzen, möchte ich an dieser Stelle auf die Probleme von Baukasten-Webseiten eingehen.

Langsame Ladezeiten

Baukasten-Systeme sind für eine sehr breit ausgelegte Nutzerschaft ausgelegt. Eine Beraterin soll die Systeme genau so benutzen können, wie ein Fussball-Verein, eine Hochzeits-Agentur etc. Für alle soll gesorgt sein. Die Folge: Sehr viel Code. Mit einem "Monster" an Code ist das System derart flexibel, dass es alle nutzen können.

Gut, weil es so viele nutzen können, schlecht, weil das Monster lange Verarbeitungszeiten verursacht und Webseiten dadurch langsam geladen werden.
Langsame Ladezeiten wirken sich negativ auf das Nutzererlebnis aus und verschlechtern dadurch die Chancen auf gute Suchmaschinen-Rankings.

Mangelhafte Benutzerfreundlichkeit

Aus dem gleichen Grund wie oben - die meisten Baukastensysteme sind für ganz viele verschiedene Nutzergruppen ausgelegt - leidet die Benutzerfreundlichkeit bei der Administration.

Wer kein Wordpress-Profi ist, ist mit den vielen Schaltflächen in der Administration schnell überfordert. Das Individuelle fehlt bei Baukastensystemen auch bei der Administration.

Erhöhte Gefahr wegen Internetkriminalität

Wer ein beliebtes Content-Management-System wie Wordpress verwendet, wird quasi automatisch zur Zielscheibe für Cyber-Kriminelle und Hacker.

Das liegt daran, dass es sich für die Cyber-Kriminelle lohnt, Schwachstellen in grossen Systemen zu finden, da sie dann sofort Millionen potenzielle Opfer haben.
Zwar werden Schwachstellen regelmässig geschlossen, doch ist man dadurch nur geschützt, wenn man die Updates schnell genug durchführt.
Wenn Sie Wordpress und co. verwenden, haben Sie einen nicht unerheblichen Aufwand für die regelmässigen Updates.

Ironie: Gefahren durch Updates

Die typische Wordpress-Seite nutzt mehrere Plugins (Erweiterungen) für verschiedene Zwecke. Plugins können von allen Entwicklern der Welt zur Verfügung gestellt werden und stammen nicht direkt von der Wordpress-Organisation.


Plugins müssen ebenfalls regelmässig aktualisiert werden (zum einen wegen Sicherheitslücken, zum anderen, weil sie sich an die aktuelle Wordpress-Version anpassen müssen).

Im dümmsten Fall (der leider nicht selten vorkommt), funktioniert ein Plugin nach einem System-Update nicht mehr richtig. Teile der Webseite werden unbrauchbar. Jetzt ist man entweder abhängig vom Plugin-Entwickler, sucht ein neues Plugin oder modifiziert das Plugin selbst. Alle drei Varianten sind mühsam.

Fazit: Wann soll man WordPress verwenden?

Wenn es Ihnen Spass macht, Möglichkeiten kennen zu lernen, Webseiten zu erstellen, wenn Sie bereit sind, im "Do-it-yourself"-Modus ein System wie Wordpress zu ergründen und Sie auch bereit sind, entsprechende Zeit einzusetzen, dann sind Baukasten-Systeme durchaus eine Option für Sie. Als blutiger Anfänger sollten Sie mit Minimum 20-30 Stunden Aufwand rechnen für eine einfache Webseite.

Wenn es Ihnen keinen Spass macht, wenn es nur darum geht, Geld zu sparen, dann bedenken Sie: Auch Zeit ist Geld. Was Sie in 20-30 Stunden mühsam zusammenbasteln, erledigt der Profi für Sie in 5-10 Stunden und vermutlich auch noch einiges besser.

Falls Sie eine Wordpress-Seite von einer Agentur in Betracht ziehen, dann regeln Sie dringend die laufenden Kosten insbesondere für einen Update-Service (ausser natürlich Sie haben InHouse jemand, der sich darum kümmern kann).

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